Tag 1, von Sevilla nach Guillena (22 km)

Man mag es kaum glauben, aber auch 2023 hat mit IBERIA alles geklappt, sieht man mal von der Gepäckausgabe in Sevilla ab, wo unsere Ikea-Tasche mit den Rucksäcken einsam und verwaist 3 Bänder weiter ihre Kreise zog und nur zufällig von uns entdeckt wurde. Mit dem Bus ging’s ohne Probleme in die Stadt und von dort in das sehr zu empfehlende B&B Casa Alfareria. Gleich nach dem Einchecken versorgte uns Hausherr Carlos mit soviel Information und Tipps an Sehenswürdigkeiten, dass uns der Kopf rauchte und wir letztendlich am Abend stolze 13 Kilometer in den Beinen hatten. Sevilla wird nicht umsonst „die Schöne“ genannt und nur für die historische Altstadt bräuchte man schon mehrere Tage. Wir konzentrierten uns auf die Kathedrale de Santa Maria de la Sede mit dem Grabmonument von Christoph Kolumbus, den Glockenturm Giralda und dem ehemaligen arabischen Palast Real Alcazar. Bei 35 Grad reichte das auch und nach dem Besuch der Pilgermesse ging’s schnurstracks in eine von Carlos empfohlene traditionelle Bar mit leckeren Tapas und noch besseren Wein (die Hackklößchen waren allerdings ein Reinfall). Gegen 23.00 Uhr fielen wir hundemüde ins Bett und wurden nur durch das Klappern von Rosita, die Frühstück machte, geweckt. Aber böse waren wir nicht, beim Anblick der vielen Leckereien die sie auftischte und ihr starker Kaffee brachte uns erst recht auf Touren. Heute stand also unser erste Etappe auf der Via de la Plata, einer alte römische Handelsstraße an, wo man teilweise noch auf Originaltrassen läuft und für viele der eindrucksvollste und schönste Jakobsweg ist. Wir laufen erstmal – immer nach gelben Pfeilen und Muscheln Ausschau haltend – stadtauswärts zum Rio Guadalquivir und dann am Fluss wenige Kilometer entlang von Oleander und Silberweiden bis zur Abzweigung nach Santiponce. Der Ort lebt von den bedeutenden Ausgrabungen der  ältesten Römersiedlung auf der iberischen Halbinsel. Italica, wie Santiponce bei den Römern hieß, ist der Geburtsort gleich zweier Kaiser, Trajan und Hadrian. Auch wir sind beeindruckt von den sehr gut erhaltenen Straßenzüge und dem riesigen Amphitheater. Soviel Kultur macht bekanntlich hungrig, zudem gibts hier die letzte Bar vor Guillena und so sitzen wir bei Ibericoschinken und alkoholfreien Bierchen auf der Terrasse und stärken uns für die kommenden 13 Kilometer. Das ist auch dringend nötig, denn bei mittlerweile 33 Grad gehts erst auf einem Trampelpfad neben der Asphaltstrasse und dann ca. 10 Kilometer auf einem staubigen Feldweg in der sengenden Sonne nach Guillena. Das monotone Marschieren entlang der vertrockneten Felder macht nicht wirklich Spaß, aber sehr zu Freude treffen wir an einer kleinen Furt mal auf andere Pilger und halten gleichmal den ersten Smalltalk.

Scott ist von der Hitze und dem staubigen Weg nicht gerade begeistert und beschließt, unter dem einzigen Baum weit und breit, ne kleine Siesta einzulegen. Wir wollen weiter, raus der Sonne und eilen zum Schlussspurt. Gegen 15.30 erreichen wir unsere kleine, leider nicht sehr feine Herberge. Das Zimmer ist gewöhnungsbedürftig, aber mehr davon dann Morgen. Jetzt heißt es erstmal duschen und danach ein kaltes Bierchen trinken.

 

Ein Gedanke zu “Tag 1, von Sevilla nach Guillena (22 km)

  1. Und wiedermal unterwegs. Ich wünsche euch gutes Pilgerwetter und Durchhaltevermögen. Bin auf die schönen Bilder und interessanten Kurzgeschichten gespannt.

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