Tag 28, von Molinaseca nach Cacabelos (23,8 km)

In Molinseca war bei dem gestrigen Sauwetter der Hund begraben. Es regnete bis spät in die Nacht und kein Mensch geschweige denn Pilger war auf den Straßen unterwegs. Nach einem kurzen Spaziergang gingen wir relativ früh in das empfohlene Restaurant „Casa Marco“, tranken mit Maria auf die deutsch-österreichische Freundschaft und hatten ein bescheidenes, etwas fades Pilgermenü (Salat, Seehecht, Flan). Der rote Pilgerdiesel war zwar gewöhnungsbedürftig, tat  aber der Stimmung keinen Abbruch. Gegen 22.00 Uhr machten wir uns aber auf den Heimweg, denn der Regentag hat uns doch ganz schön geschlaucht.

Templerburg

Templerstätte

Wir schliefen wie die Murmeltiere und nach der morgendlichen Dusche waren wir wieder „fit“ für die heutige Etappe. Mit einem gesunden „Hunger“ ging´s zum Frühstück, das aber im „El Palacio“ mehr als bescheiden war. Altes, hart getoastetes Brot, Butter und Billigkonfitüre abgezählt, nur der gute Kaffee verdarb uns nicht schon am frühen Morgen die Laune. Das machte mal wieder das Wetter, denn es regnete auf den ersten Kilometern bis nach Ponferrada. Der Weg verläuft heute fast ausschließlich auf Asphaltstraßen und auch die empfohlene längere Route über Campo ist nicht wirklich besser. Die tristen Vororte von Ponferrada kann man sich eigentlich schenken, bevor es über die alte Steinbrücke und den Fluss Boeza in die Altstadt geht. Von weitem sieht man schon die riesige, beeindruckende Templerburg aus dem 12/13. Jh., die eine der bedeutendsten militärischen Architekturen in Spanien darstellt. Die Burg ist leider geschlossen, somit die Enttäuschung groß und demzufolge gönnen wir uns erstmal einen starken Kaffee im gegenüberliegenden Café. Den Gedanken hatten anscheinend viele, den das Café ist voller Pilger und wir treffen lauter bekannte Gesichter. Die Pause fällt mal wieder viel länger aus wie geplant, denn die vielen „News“ vom Camino wollen wir natürlich alle hören. Peter und Lisa erzählen uns, dass sie seit geraumer Zeit mit einem 91-jährigen Japaner gemeinsam laufen und locker 25 Kilometer am Tag schaffen. Echt der Wahnsinn und während der kleine Japaner in aller Ruhe seinen Tee trinkt, machen wir uns wieder auf den Weg.

Weinberge des Bierzo

Einmarsch nach Cacabelos

Nach einer herzlichen Verabschiedung laufen wir quer durch die Stadt, wobei Ponferrada nicht gerade eine Schönheit ist. Sie gilt zwar als Hauptstadt der Region Bierzo, aber man sieht viele runtergekommene bzw. verfallene Häuser und Armut überall. Das stimmt einen doch nachdenklich als wir am Fluss Sil stadtauswärts und dann bergauf nach Columbrianos laufen. Die Vororte des kleinen Städtchens sind auch nicht gerade sehenswert und das ständige Laufen auf Teerstraßen verschafft uns dicke, schwere Waden und macht müde. Da hilft nur eins: Ab in die nächste Kneipe und so wird im Örtchen Fuentes Nuevas eine kleine Pause eingelegt. Hier treffen wir auch wieder Maria und schon sitzen wir alle bei Spiegeleier mit Speck an einem Tisch und lassen es uns gut gehen. Der starke Kaffee vertreibt die Müdigkeit und so geht’s zusammen auf die letzten Kilometer nach Cacabelos. Es gibt viel zu erzählen und kurz nach Fuentes verlassen wir nach dem Überqueren der Autobahn die Asphaltstraße und ein schöner Feldweg führt uns durch die Weinfelder bis nach Cacabelos. Über den Bergen braut sich schon das nächste Unwetter zusammen, aber zum Glück wir erreichen wir trockenen Fußes unser heutiges Quartier. Das Landhaus macht einen super Eindruck und das Gläschen Rotwein zur Begrüßung schmeckt nach mehr. Das sind schonmal gute Vorzeichen, oder ???

Römerbrücke in Ponferrada

Ritter Kunibert

Ein Gedanke zu “Tag 28, von Molinaseca nach Cacabelos (23,8 km)

  1. Herzlichen Dank für die vielen Eindrücke und Erlebnisse die wir jeden Tag miterleben dürfen.
    Hut ab vor dieser Leistung!
    Für die kommende Wegstrecke wünsche ich viel Kraft, angenehmes Wetter und weiterhin Gesundheit.
    Viele Grüße IWF

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