Tag 27, von Rabanal del Camino nach Molinaseca (26,5 km)

Rabanal ist zwar ein kleines schmuckes Dörfchen, hat aber nicht wirklich viel zu bieten und die wenigen Kneipen waren am gestrigen Sonntag alle rappelvoll. Nach einer kleinen Siesta nutzten wir das schöne Wetter und bummelten durch den Ort. In der etwas vornehmeren Posada trafen wir auf Sam, Sani sowie ein paar nette Dänen und schnell wurde daraus ein illustres Kaffeekränzchen bis in die frühen Abendstunden. Es wurde getratscht und geratscht und fast hätten wir das Konzert am Abend vergessen. Im Stechschritt ging´s dann zur Kirche, wo wir uns das Konzert in der proppenvollen Kirche anhörten und den Gesangskünsten der Mönche lauschten. Die gregorianischen Lieder waren ein wirkliches Highlight, obwohl wir uns in der eiskalten Kirche den Hintern abfroren (somit war die Pilgermesse um 21.30 für uns gestorben). Abhilfe schaffte da das gegenüberliegenden Restaurant, wo uns erst eine sehr deftige leckere Gemüsesuppe wieder auftaute und der dann im Anschluss servierte „Pulpo al la gallega“ begeisterte. Auf den Nachtisch verzichteten wir, denn bei all der Völlerei in den letzten Tagen mußten wir mal an unsere Figur denken?. Als Betthupferl gab’s aber noch ein Gläschen von dem süffigen Bio-Rotwein und wenig später schliefen wir schon tief und fest wie die Engelchen.

 Regendepressionen am        Cruz de Ferro

Da rollt was auf uns zu

Der heutige Wetterbericht klang sehr bescheiden. Regen, Regen und nochmals Regen !!! Ausgerechnet heute, wo es zum Cruz de Ferro hochgeht. Also war nach dem Frühstück mal wieder Regenkleidung angesagt und so stiefelten wir im Nassen auch gleichmal los. Hinter Rabanal geht´s die ersten 4 Kilometer auf einen schmalen Bergweg fast nur bergauf bis nach Foncebadón. Rechts und links haben wir trotz des Nieselregens eine gute Sicht auf die „Montes de Leon“ (Berge von Leon) und die traumhafte Heide mit den vielen rot-, gelb-, weißblühenden Ginsterarten, dem violett blühenden Lavendel und den würzig duftenden Bergkräutern begeistert uns. Thymian wächst hier wie Unkraut, Bergbohnenkraut entdecken wir und so wird uns trotz des Mistwetters nie wirklich langweilig. Im Dorf Foncebadón hat alles geschlossen und so marschieren wir weiter hoch zum Pass Cruz de Ferro. Schon von weitem sehen wir eines der symbolträchtigsten Punkte des Jakobsweges, den gewaltigen Steinhaufen mit dem 5 Meter hohen Eichenstamm und dem eisernen Kreuz obendrauf und so legen wir noch einen Gang zu und erreichen wenig später das Cruz. Schon komisch, als wir dort ankommen hört es doch glatt für die nächsten 10 Minuten auf zu regnen.

Heidelandschaft

Am Cruz de Ferro

Irgendwie trauen wir dem Braten und Petrus nicht so recht. Für unsere Steine finden wir ein passendes Plätzchen und nach einigen Minuten und geschossenen Fotos am Kreuz gieß es schon wieder aus allen Eimern. An der Straße entlang geht es erst in das Dorf Manjarin und dann fast nur noch auf einem schmalen Weg bergauf. Auf dem Bergpfad schießt uns das Wasser nur so entgegen und am Colloado de las Antenas sieht man vor lauter Nebel kaum die Hand vor Augen. Am Pass steht ein kleiner Imbisswagen, der Kaffee und Snacks anbietet. Das lassen wir uns nicht entgehen und die Pause tut richtig gut. Der heiße Kaffee wärmt und für einige Minuten stehen wir unter dem Vordach im Trockenen, bis wir uns wieder im strömenden Regen wie die begossenen Pudel Richtung Acebo aufmachen. Für die schöne Landschaft haben wir mittlerweile keinen Blick mehr, wir wollen nur noch ankommen, ein Café finden und im Warmen sitzen.

Da geht man besser nicht rein !!!

eine tolle Landschaft

Die nächsten 6 Kilometer geht’s nur bergab, was aber nicht heißt, dass wir besonders flott unterwegs sind. Die Bergpfade sind rutschig, auf dem Geröll geht´s sich schlecht und so dauert es ewig bis wir in Acebo ankommen. Die erstbeste Kneipe ist unsere und in der warmen Gaststube machen wir endlich Rast. Die heiße Linsensuppe ist gut und genau das Richtige. der Café solo stark und bringt uns wieder auf die Beine. Wie wir hören, bestellen sich viele Pilger an den Nebentischen auf Grund des Wetters ein Taxi, aber für uns kommt das nicht in Frage. Die nächsten 2 Stunden im strömenden Regen bis Molinaseca sind sicherlich kein Zuckerschlecken, aber auch das gehört für uns beim Pilgern dazu. „Schön Wetter“ kann jeder !!!
Klatschnass erreichen wir Molinaseca und finden unsere Herberge gleich am Ortseingang an der alten Römerbrücke. Jetzt heißt es erstmal: Raus aus den Klamotten, heiß duschen, Wäsche trocknen und erst nach der „Materialpflege“ gibt´s das erste wohlverdiente Bierchen.

Berge von Leon

3 Gedanken zu “Tag 27, von Rabanal del Camino nach Molinaseca (26,5 km)

  1. Liebe Herzbrüder!
    Wir verfolgen wieder sehr interessiert eure täglichen Beiträge. Diese letzten 300 km vor Santiago sind wir 2011 auch gegangen. Wir waren in diesem Jahr von Sauvage bis Moissac vom 11. 5. bis 27. 5. auf dem Jakobsweg. Wir hatten jede mögliche Art von Wettersituationen: Schneelandschaft mit starken Schneestürmen, Regen, Hagel, heißes Wetter. Wir wünschen euch noch schöne Erlebnisse.
    Die 3 Schwestern aus Österreich

  2. Liebe Pilger-Brüder, Wahnsinn was ihr schafft. Respekt.
    Euer Blog ist der Hammer und ich freu mich jeden Abend auf das neue Abenteuer. Es liest sich als wäre man selbst dabei. Leider habe ich danach meistens Hunger ?
    Wünsche euch noch eine tolle Zeit und alles Gute. Bis hoffentlich ganz bald. LG Katrin

  3. Hallo, ihr lieben Pilger Heinz und Gerd
    Ganz versteh ich jetzt Petrus auch nicht mehr, dass er hinsichtlich Wetter überhaupt kein Einsehen mit
    euch hat.
    Ihr seid ja super tapfer, dass ihr bei strömenden Regen nicht ein Taxi genommen habt.
    Echte Pilger halt !!!
    So wünsche ich euch endlich besseres und wärmeres Wetter, gute Motivation und schöne Erlebnisse.
    Alles Liebe und Gute
    Seid herzlich gegrüßt
    Eure Elli

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