Tag 5 – Vom Brünigpass nach Spiez (20 km, 350 HM ⬆, 650 HM ⬇)

Seit gestern Abend müssen wir feststellen, dass es auf jeden Fall für unserer Bruderschaft eine Schulung in hauswirtschaftlicher Grundversorgung geben muß. Was sich beim Beziehen der Betten abspielte, war höchst unterhaltsam, amüsant und ist kaum mit Worten zu beschreiben.

Hatten wir in den letzten Tagen nicht schon genug Buße geleistet?
Aber nein, und so fanden Hubertus und Klaus in ihrer Kammer einen Haufen Katzenscheiße auf ihren Matratzen und bei uns allen roch die Bettwäsche muffig und sauer.
Zudem erwartete uns wenig später eine „kulinarische Meisterleistung“. Das „Abendmahl“ bestand aus einem Nudel-Kartoffel-Käse-Stampf mit mikroskopisch kleinen Wurstwürfeln und Apfelmus zum Einrühren. Eine gewagte Kombination, die eines robusten Magens bedarf. Das Ganze zu einem „Spottpreis“ von 79,– SFR pro Person. Die Katastrophe war nur mit einigen Bierchen halbwegs zu ertragen.

Geweckt wurden wir von heftigem Regen, der auf’s Dach und gegen das Fenster prasselte. Und so verliesen wir schon gegen 8:00 Uhr nach dem Frühstück unser Etablissement.
Mit Regenjacke, Regenhose,Regenschirm, kurzum wasserdicht verpackt, geht es auf schmalen Wiesenpfaden durch die nebelverhangene Landschaft immer nur bergauf hoch zum Tschuggen.

Ein weiterer Teil unseres Abenteuers beginnt

Wasserdicht verpackt trotz kurzer Hose

Im Wald riecht es würzig nach feuchtem Laub. Nebelfetzen reichen bis zum Boden, moosbewachsene Felsen und umgestürzte Baumstämme versperren immer wieder den Weg und erschweren das weitergehen. Der Abstieg nach Brienzwiler hat es dann in sich. Alle Führer, inklusive unserer Herbergsmutter, warnen den Steig bei schlechtem Wetter zu gehen. Heute ist aber nicht nur schlechtes Wetter, sondern ein richtiges Sauwetter! Aber wir wollen es ja wissen.
Anblick wie im Auenland

Auenland ?

Durch das nasse Laub und den oberflächlichen Wurzeln rutschig, geht es fast 1,5 Stunden steil an heftigen Abgründen ohne Sicherung bergab. Wir alle sind erleichtert, als wir endlich das Dörfchen Brienzwiler mit seinen wunderschönen alten Holzhäusern ohne größeren Blessuren erreichen.
Bergziegen

Bergziegen

Kurze Trinkpause! Der Abstieg hat doch viel Zeit gekostet und schon geht`s weiter nach Brienz. Wir wollen das Schiff um 14:09 Uhr in Oberried rechtzeitig erreichen, haben aber immer noch fast 13 km Strecke zu gehen. Der Dorfladen in Hofstetten hat leider, oder Gott-sei-Dank, noch nicht geöffnet. Gerd’s feine Nase hat nämlich aus einer ganz anderen Richtung einen unwiderstehlichen Duft von Backwaren wahrgenommen.
Das Wandern ist des Müllers Lust...

Unsere Backfeen

Zwei Häuser weiter gibt es eine kleine versteckte Konditorei, in der man die Bäckerinnen beim Herstellen von köstlichsten Torten und Kuchen zusehen kann. Ratzfatz sitzen wir bei einem herrlichen Rhabarberkuchen mit Schlagrahm in der guten Stube, dazu gibt`s leckeren heißen Kaffee und lassen es uns gut gehen.
Wohl verdiente Pause

Wohl verdiente Pause

Wegzehrung

Lecker !!!!

Aufgewärmt und mit neuem Lebensgeistern geht es wieder in den grausigen Regen. Da Nebel und Wolken immer noch alle Sicht nehmen, beschließen wir kurzerhand ab Brienz die Bahn statt wie geplant das Schiff zu nehmen.
Wir sind ja nicht aus Zucker ;-)

Wir sind ja nicht aus Zucker 😉

In der evangelischen Kirche von Brienz holen wir den Pilgerstempel und Petrus hat endlich ein Einsehen. Die Wolkendecke reißt auf und die Sonne lacht. So läuft es sich viel leichter und die noch kommenden Kilometer und Anstiege entlang des Brienzer Sees nach Oberried meistern wir mit Bravour. In Oberried geht’s mit dem Zug über Interlaken nach Spiez am Thunersee, dem heutigen Etappenziel. Unsere Pensionswirtin Marietta erwartet uns schon und  wäscht erstmal unsere Klamotten. Das ist super nett, gibt uns aber schon zu denken. Müffeln wir etwa so sehr !!!

3 Gedanken zu “Tag 5 – Vom Brünigpass nach Spiez (20 km, 350 HM ⬆, 650 HM ⬇)

  1. Servus Herzbrüder, wir bewundern Eure Ausdauer und leiden mit Euch, wenn es wieder schüttet. Herzliche Grüße vom GR 34 in der Bretagne, kalt aber wenigsten trocken und nicht so steil…

  2. Ach, das tut mir aber leid, dass das Wetter wieder nicht mitspielt. Das erinnert mich schwer an letztes Jahr. Da kann ich auch das Kerzen anzünden bleiben lassen, wenn „der da oben“ euch keine Sonne schickt, aber von größeren Blessuren seid ihr ja bis jetzt verschont geblieben – ich zünde wieder eine! Aber an eurer Stelle würde ich den Ratschlag der Einheimischen annehmen, wenn die euch sagen, dass der Weg nicht passierbar ist bei schlechtem Wetter. Herausfordern müßt ihr es ja nicht unbedingt. Meine guten Wünsche begleiten euch von Herzen.

  3. Ich verfolge eure interessanten Berichte und sehe daß ihr täglich in den mehr oder
    weniger unangenehmen Dingen die euch widerfahren “ Buße “ tut.
    Trotz allem euch Herzbrüdern weiterhin eine fröhliche Pilgerschaft; vielleicht mit
    einem flotten Liedchen auf den Lippen
    Hape

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