Tag 4, von Uffenheim nach Rothenburg ob der Tauber (30 km)

Der gestrige Tag hat uns ganz schön geschafft und so waren wir heilfroh, dass nicht nur die Speisekarte des Lichterhofs einiges versprach, sondern auch die Gaststube hübsch eingerichtet und schon gut besucht war. Mit knurrenden Magen ergatterten wir noch einen kleinen Tisch und Küchenchef Hans empfahl uns wärmstens sein „Rittersteak Hubertus“. Das dann servierte Ribeye –Steak mit Spiegelei, Röstzwiebeln, frischen Pilzen und Bratkartoffeln war super lecker, dazu tranken wir nicht nur ein Seidla ungefiltertes Kellerbier und so war die Nachtruhe mehr als gesichert😀.

Dicke Regenwolken hingen am Sonntagmorgen am Himmel, dazu stürmte ein kalter Wind und so viel das Frühstück länger aus als geplant. Heute stand die letzte Etappe auf dem Programm und so machten wir uns gegen 9.00 Uhr auf den Weg Richtung Custenlohr. Stadtauswärts ging´s durch das Ansbacher Tor  zum Krankenhaus und dann durch den schönen Herbstwald nach Custenlohr. In der kleinen, sehr hübschen Dorfkirche holten wir uns den Pilgerstempel und trafen gleichmal den Pfarrer auf ein nettes Schwätzchen, der uns auch auf die schlechte und teils fehlende Beschilderung des Jakobsweges bis Habelsee hinwies. Die nächsten Kilometer durch Wald und Flur waren dann zwar recht abenteuerlich, weil wir immer wieder Markierungen suchen bzw. uns per GPS orientieren mussten, dafür landschaftlich abwechslungsreich und schön. Es geht jetzt durch das ehemalige Rothenburger Landgehege und wir fanden den alten Grenzstein mit dem verwitterten Wappen der freien Reichstatt sowie die zugewucherten Reste des historischen Befestigungssystems. Vorbei an einem stinkenden Schweinemastbetrieb (wo laut Plakat nur „glückliche“ Schweine leben!!!) erreichen wir Habelsee und als wäre der Ammoniakduft nicht Strafe genug, der Gasthof mal wieder geschlossen hat bzw. gar nicht mehr existiert.

Eine Pause ist längst überfällig und so finden wir am Feuerwehrhäuschen eine windgeschützte Bank und futtern unsere Butterbrote. Die ersten Regentropfen lassen Schlimmes ahnen und so geht´s in voller Regenmontur auf einer kleinen Teerstraße nach Endsee. Schon von weitem „duftet“ die Schweinemastanlage des Ortes und schnell durchqueren wir dieses trostlose Nest, bevor es dann steil bergauf in den Wald geht. Der Forstweg ist gut zu gehen, bald aber zweigt der jakobsweg auf einen Trampelpfad, wo wir uns durchs Unterholz und Dornendickicht bis zum Weiler Gipshütte kämpfen. Petrus hat mit wackeren Pilgern anscheinend gar kein Mitleid, denn nach Steinsfeld schüttet es aus allen Kübeln und in der offenen Flur ist weit und breit kein Unterstand zu finden. Zum Glück hält die Regenkleidung trocken und so „schwimmen“ wir auf Feld- bzw. Betonwegen in den Talgrund der Tauber und ins Naturschutzgebiet „Lindleinsee“. Der folgende glitschige Wanderpfad in das wildromantische Steinbachtal ist bei dem heftigen Regen nicht gerade ungefährlich, dafür werden wir aber mit der großartigen Landschaft des Steinbachtales mehr als entschädigt. An einer kleinen Brücke geht´s steil bergauf aus dem Tal und kurze Zeit später entdecken wir schon die im Führer beschriebene Info-Tafel zum Jakobsweg an den zwei mächtigen Kastanienbaumen. Von hier aus ist es nicht mehr weit zum Ziel und die letzten Kilometer auf dem asphaltierten Flursträßchen im strömenden Regen können unsere Freude auch nicht trüben. Durch das Klingentor erreichen wir die historische Altstadt Rothenburgs und in einem kleinen Cafe genehmigen wir uns erst mal den lang vermissten Cappuccino, dazu ein leckeres Stück Kuchen und wärmen uns am Kachelofen. Dann geht´s aber in die gegenüberliegende St. Jakobskirche mit dem berühmten Blutaltar von Riemenschneider, wo wir unseren Pilgerpass abstempeln und damit auch den Steigerwälder Jakobsweg beenden. Fazit: Der Steigerwälder Jakobsweg von Bamberg nach Rothenburg ob der Tauber ist landschaftlich sicher ein Traum, gerade im Herbst sind die langen Etappen durch die Wälder auch bei schlechtem Wetter ein Genuss. Leider fehlte uns aber auf den einzelnen Etappen jegliche Infrastruktur, die Wegmarkierungen sind teilweise irreführend und somit ist eine gute Planung im Vorfeld wichtig.

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